Seine Liebe geht voraus

Gute Nachrichten beleben das Herz, sie machen dankbar, glücklich und sind oft das Ende bangen Wartens: Gott sei Dank, das sind ja gute Nachrichten! Ähnlich in der Empfindung, aber wesentlich tiefer in der Bedeutung ist es mit der Guten Nachricht, dem Evangelium. Markus Pfeil hat sich das gründlich angeschaut und erklärt, was es damit im einundzwanzigsten Jahrhundert noch auf sich hat.

Mir ist es wichtig, die gute Nachricht mit verständlichen Worten weiterzugeben, und doch weiß ich, dass ein Mensch die persönliche Tragweite nur dann erkennen kann, wenn Gott ihm das Herz dafür öffnet. Paulus spricht deshalb auch vom „Geheimnis des Evangeliums“. Anders als bei einem Rätsel, das sich lösen lässt, wenn man klug genug dafür ist, muss uns ein „Geheimnis“ offenbart werden. Und so verhält es sich auch mit dem Evangelium. Plötzlich wird es verstanden und bereitwillig aufgenommen. Das sollten wir im Auge behalten: Gottes Wirken ist entscheidend.

So einfach

Unsere Worte entstehen immer in einem bestimmten kulturellen Kontext. Begriffe wie Gott, Gebet oder Errettung können deshalb für Menschen ganz unterschiedliche Bedeutungen haben, besonders dann, wenn wir mit Menschen aus anderen Kulturkreisen im Gespräch sind. Was für uns selbstverständlich klingt, wird von anderen vielleicht ganz anders verstanden. Wir können von Jesus lernen. Er erzählte Gleichnisse und Geschichten, die die Menschen zum Nachdenken brachten und ihnen das Verständnis für die Botschaft Gottes eröffneten. Eine Geschichte kann oft mehr bewirken als ein kompliziertes Erklärungsmodell.

„Die Sehnsucht nach einer besseren Welt deutet darauf hin, dass wir eine Vorstellung davon haben, wie sie sein könnte.“

Nehmen wir das Gleichnis vom verlorenen Sohn: Anhand dieser Geschichte lässt sich das Evangelium wunderbar erklären. Und siehe da, es wird von allen verstanden, unabhängig von ihrer kulturellen oder religiösen Prägung.

Voll Sehnsucht

Wenn ich das Evangelium erkläre, knüpfe ich häufig bei der tiefen Sehnsucht des Menschen an. Damit können sich die meisten identifizieren, denn jeder kennt dieses Empfinden: Irgendetwas stimmt nicht mit dieser Welt. Wir begegnen Ungerechtigkeit, Kriegen, Armut, Einsamkeit, Gewalt und Leid. Diese „zerbrochene Welt“ ist jedoch nicht nur ein abstraktes Problem, sondern Teil unserer ganz persönlichen Erfahrung – etwas, das jeder Mensch auf seine eigene Weise schmerzlich wahrnimmt. Gleichzeitig tragen wir alle die Sehnsucht nach einem gelingenden Leben in uns: nach Glück, Frieden, Sicherheit und tragfähigen, echten Beziehungen. Die Sehnsucht nach einer besseren Welt deutet darauf hin, dass wir eine Vorstellung davon haben, wie sie sein könnte. So wie Durst ein Hinweis dafür ist, dass es Wasser gibt, weist die Sehnsucht nach einer vollkommenen Welt darauf hin, dass etwas in uns diese Welt vermisst und dass sie existiert beziehungsweise einmal existiert hat.

Alles gut

Diese Sehnsucht kommt nicht von ungefähr. Die Bibel beschreibt, dass Gott die Welt ursprünglich gut geschaffen hat. Zwischen Gott, den Menschen und der Schöpfung herrschte Harmonie. Gott selbst sagte: „Es war sehr gut.“ Doch diese Ordnung wurde zerstört. Der Mensch entschied sich, unabhängig von Gott zu leben und selbst das Zentrum seines Lebens zu sein. Dadurch wurden nicht nur unsere Beziehungen zueinander beschädigt, sondern auch unsere Beziehung zu Gott. Die Bibel nennt diese Beschädigung Sünde. Mit Sünde sind nicht nur besonders schlimme Taten gemeint. Sünde bedeutet vor allem die Trennung von Gott und ein „zweckentfremdetes“ Leben. Der Mensch lebt nicht mehr aus der Beziehung zu seinem Schöpfer heraus, wozu er geschaffen wurde. Und die Folgen sind offensichtlich: Schuld, Leere, Angst und die vergebliche Suche nach Sinn, Anerkennung und Sicherheit.

„Gott liebt Menschen nicht erst dann, wenn sie sich bewährt haben.“

Darum gehts

Das Evangelium beginnt mit einer ehrlichen Diagnose: Der Mensch kann sich nicht selbst retten. Niemand ist vollkommen. Keine noch so große Anstrengung kann vergangene Fehler ungeschehen machen oder die Beziehung zu Gott wiederherstellen. Doch genau hier beginnt die gute Nachricht: Gott gibt die Menschen nicht auf. Gott wartet nicht darauf, dass wir uns zu ihm hocharbeiten. Er kommt selbst auf uns zu. Christen glauben, dass dies in Jesus Christus geschehen ist: Gott wurde Mensch und begegnete den Menschen mitten in ihrem Leid. Jesus wandte sich Kranken, Ausgegrenzten, Schuldigen und Verzweifelten zu. Er kam nicht, um Menschen zu verurteilen, sondern um sie zu retten. Der Mittelpunkt des Evangeliums ist das Kreuz. Auf den ersten Blick scheint es eine Niederlage zu sein: Jesus wird verspottet, verurteilt und getötet. Doch Christen glauben, dass er dort freiwillig die Folgen menschlicher Schuld auf sich nahm.

Am Kreuz zeigt sich eine Liebe, die nicht davon abhängt, ob ein Mensch erfolgreich, moralisch perfekt oder religiös genug ist. Gott liebt Menschen nicht erst dann, wenn sie sich bewährt haben. Seine Liebe geht voraus. Aber das Evangelium endet nicht am Kreuz. Christen glauben, dass Jesus von den Toten auferstanden ist. Damit zeigt Gott: Schuld, Tod und Hoffnungslosigkeit haben nicht das letzte Wort. Die Auferstehung eröffnet die Hoffnung auf neues Leben. Wer Christus vertraut, empfängt Vergebung, eine neue Beziehung zu Gott und eine neue Perspektive für das eigene Leben. Die Botschaft des Evangeliums lässt sich einfach zusammenfassen: Du lebst getrennt von Gott, „zweckentfremdet“. Du musst dir Gottes Liebe nicht verdienen. Du bist Gott nicht egal. Deine Schuld und deine Fehler sind nicht das Ende deiner Geschichte. Vergebung ist möglich. Ein neuer Anfang auch. Und der Tod hat nicht das letzte Wort.

Neuer Maßstab

Viele Menschen leben unter dem Druck, ihren Wert ständig beweisen zu müssen – im Beruf, in Beziehungen oder vor sich selbst. Das Evangelium setzt einen anderen Maßstab: Der Wert eines Menschen hängt nicht von seiner Leistung, seinem Erfolg oder seiner Vergangenheit ab. Er gründet darin, dass er von Gott gewollt und geliebt ist. Deshalb ist das Evangelium eine Einladung, Gott zu vertrauen, Vergebung anzunehmen und das Leben aus einer neuen Perspektive zu sehen. Die gute Nachricht lautet nicht, dass der Mensch stark genug ist, sich selbst zu retten. Die gute Nachricht lautet, dass Gott den ersten Schritt gemacht hat. Darum nennen Christen diese Botschaft bis heute das Evangelium – die gute Nachricht für alle Menschen.

Markus Pfeil

Markus Pfeil lebt im Westerwald und ist seit 37 Jahren mit Elly verheiratet. Er ist Evangelist im Missions- und Bildungswerk Neues Leben e.V. Seine Schwerpunkte sind Beratung und Coaching für Evangelisation und missionarischen Gemeindeaufbau.